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Dienstag, 23. Juni 2026

Rezension: Ulrike Renk - Mademoiselle Marthe und die Küche der Freiheit

Marthe und die Liebe zu gutem Essen

Frankreich, 1899: Marthe wächst nach dem Tod ihres Vaters auf dem Selbstversorgerhof ihrer Großmutter in den Vogesen auf. Gemeinsam mit ihrer Mutter lernt sie das harte Leben auf dem Land kennen, bekommt aber dennoch mehr Schulbildung als andere Mädchen ihres Alters. Damit sie auf das Lyzeum gehen kann, zieht die Mutter sogar nach Paris mit ihr und tritt eine Stelle als Köchin bei der Familie Laurent an. Dass Julie eine großartige Köchin ist, wird der Familie schnell bewusst und so ist es auch kein Problem, dass Marthe in einem Mansardenzimmer wohnt und gemeinsam mit ihrer Tochter Florence die Schule besucht. Auch gegen eine Freundschaft haben die Madame und Monsieur Laurent nur anfangs etwas einzuwenden, sodass bald auch Sohn Vincent auf die intelligente, junge Frau aufmerksam wird. Doch kann Marthe dauerhaft in der höheren Gesellschaft bestehen und kann sie irgendwann ihren Traum erfüllen, als Journalistin zu arbeiten?

Ulrike Renk widmet diesen historischen Roman ganz der Gründerin der berühmten Kochschule "Le Cordon Bleu" Marthe Marie Joséphine Distel. Diese hat die Liebe zu gutem Essen von ihrer Mutter in die Wiege gelegt bekommen und mit viel gutem Geschmack, Intelligenz und Interesse einen großen Wissensschatz rund um das Thema angehäuft. Leider hatte die Autorin nur wenige Quellen über das wahre Leben der Marthe und hat diesen Roman rund um die wenigen Informationen herum aufgebaut. So ist ein mitreißender, berührender und interessanter Roman für Fans der französischen Küche entstanden. 

Ich fand den Roman wirklich bewegend und habe ihn sehr gerne gelesen. Es ist zwar schade, dass nur wenige Informationen über die interessante Marthe existieren, aber das gleicht die Autorin mit einer kurzweiligen Handlung und vielen Einblicken in das Leben der damaligen Gesellschaft aus. Dennoch muss ich sagen, dass mich Marthe mit ihrer manchmal etwas ablehnenden und naiven Art gerade am Anfang genervt hat und auch die vielen Rechtschreib- und Tippfehler im Buch sehr störend waren.  

Hier geht es zur Verlagsseite mit Leseprobe.

 

Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: Aufbau TB
Seitenzahl: 592
Ersterscheinung: 14.03.2024
ISBN: 9783746640556
Preis: 14,00 

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag und Ulrike Renk für das Rezensionsexemplar! 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Rezension: Lena Johannson - Aufgeben können die anderen

Alice kämpft für ihre Träume

Alice wird Ende des 19. Jahrhunderts geboren und kennt lange Zeit nur die französische Stadt Nantes. Lediglich ihr Vater ist immer wieder in der Provence, um dort neue Waren für den Laden der Familie zu besorgen. Obwohl Alice die kleine Stadt liebt und gerne auf das Gymnasium geht, träumt sie von einem Leben in Paris. Zusammen mit ihrem Jugendfreund Joseph träumt sie sich häufig weit weg und reist in Gedanken an die entferntesten Orte. Auch deshalb ist sie schnell ebenso begeistert wie er, nach Großbritannien zu gehen. Dort arbeitet Alice in London für eine osmanische Familie und lernt durch sie New York, Skandinavien und sogar Brasilien kennen. Wichtiger ist aber, dass die Familie sie in ihrer Leidenschaft für das Schwimmen und schließlich auch das Rudern sehr unterstützt. Nach dem Tod von Alices Mutter führt der Weg des Paares aber wieder zurück in die Heimat und Alice bemerkt, wie rückwärtsgewandt viele Franzosen noch sind, denn es gibt kaum Möglichkeiten für Frauen gemeinsam Sport zu treiben. So wächst der Wunsch in ihr, eines Tages selbst an den Olympischen Spielen teilnehmen zu dürfen und den Männern zu zeigen, wie leistungsfähig Frauen sind. 

Lena Johannson beschreibt auf eine sehr fesselnde Weise die Anfänge der ersten Olympischen Frauenspiele. Alice ist eine beeindruckende Frau, die nicht nur mit vielen schweren Schicksalsschlägen zu kämpfen hatte, sondern auch entgegen der Meinung vieler Männer ganz im Sport aufgegangen ist und sich diesem vollkommen verschrieben hat. Da dieser große Schritt in der Geschichte der Gleichberechtigung der Frau so spannend und mitreißend erzählt wird, fliegen die Seiten nur so dahin. 

Obwohl ich zu meiner eigenen Schande gestehen muss, dass ich sehr viel lieber lese und Zeit mit eher bewegungsärmeren Hobbys verbringe, hat mich dieser Roman von der ersten Seite an gepackt. Daher eine klare Leseempfehlung von mir!

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Aufbau TB
Seitenzahl: 381
Ersterscheinung: 13.10.2025
ISBN: 9783746641362 
Preis: 15,00

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag und Lena Johannson für das Rezensionsexemplar! 

Mittwoch, 12. November 2025

Rezension: Eva-Maria Bast - Der Schmuckpalast - Camille und der Glanz von Gold

Schwere Zeiten für Camille und die Familie Cartier

Paris, 1873: Alfred Cartier kehrt nach erfolgreichen Geschäften in London wieder in seine Heimatstadt Paris zurück. Denn er hat in England den Schmuck des familieneigenen Juweliergeschäfts bekannter gemacht und neben guten Kontakten auch alle Schmuckstücke veräußern können. Da sich sein Vater schon länger mit dem Gedanken trägt, das Familiengeschäft nun in die Hände seines Sohnen zu geben, sieht er den richtigen Zeitpunkt nun gekommen. Und Alfred freut sich sehr über diesen Vertrauensbeweis. Denn obwohl auch seine Schwester Camille und deren Mann Prosper bereits in die Herstellung und Vermarktung der hochwertigen Schmuckstücke einbezogen sind, war immer klar, dass Alfred einmal alles bekommen würde. Doch obwohl nun eine neue Generation die Geschicke lenkt, würde sich der Vater noch nicht komplett aus allem heraushalten und die Familie bleibt so eng verwachsen wie eh und je. Diesen Zusammenhalt brauchen sie auch als zwei Schicksalsschläge in kurzer Zeit Camille und die gesamte Familie Cartier tief erschüttern...

Eva-Maria Bast gelingt es auf perfekte Weise an den ersten Band der Familiensaga anzuknüpfen. Da sie kaum Informationen aus dem Vorgängerroman wiederholt, ist es daher angebracht, die Reihe in der richtigen Reihenfolge zu lesen. So kommt es aber auch zu keinen Längen zu Beginn des Buches. Da die Handlung durchweg interessant und fesselnd ist, auch dank der schweren Schicksalsschläge, fliegen die Seiten nur so dahin. 

Dieser zweite Band hat mich so gepackt, dass ich das Buch innerhalb eines Tages beendet habe. Denn der Erzählstil von Eva-Maria Bast ist so fesselnd, dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Daher bin ich auch schon sehr auf den dritten und leider letzten Band gespannt! 

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Aufbau TB
Seitenzahl: 319
Ersterscheinung: 12.03.2025
ISBN: 9783746641492 
Preis: 14,00
Reihe: Die Juwelier-Saga, Band 2 

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag und Eva-Maria Bast für das Rezensionsexemplar! 

Freitag, 20. Juni 2025

Rezension: Lily Martin - Sommerfarben in der Stadt der Liebe

Eine besondere Begegnung vor Monets "Seerosen"

Marie Michel lebt für die Kunst und schreibt seit einigen Jahren an ihrer Doktorarbeit über Claude Monet und sein Schaffen. Allerdings steckt sie fest und ist frustriert. Um trotzdem über die Runden zu kommen, führt die Gruppen durch die Orangerie und gibt ihnen hier ihr Wissen über Monet weiter. Denn auch nach Jahren ist ihre Liebe zu den "Seerosen" und anderen Gemälden sehr groß. Bei einer dieser Führungen trifft sie den Deutschen Jan Zimmer, der mit seiner Klasse auf Studienfahrt ist und Marie mit einer seiner Thesen komplett aus dem Konzept bringt. Weiß er doch nichts über ihren großen Liebeskummer und die anstrengende Zeit mit ihrem Ex-Freund Antoine. Bei einem weiteren Zusammentreffen spüren aber Beide, dass sie sich eigentlich mögen und beschließen spontan, Giverny und somit Monets Wohnort zu besuchen. Doch fühlen sich Marie und Jan schon wieder bereit für die Liebe, die so allgegenwärtig über ihren Treffen schwebt?

Lily Martin ist das Pseudonym der bekannten Autorin Anne Stern. In dieser Reihe "Paris und die Liebe" entführt sie ihre Leser in das sommerliche und bezaubernd schöne Paris mit seinem liebenswürdigen Viertel Quartier Latin. Mit Marie hat sie eine etwas chaotische und herzerwärmend liebe Protagonistin gewählt, die nach einer schwierigen Beziehung gerade nicht mehr weiß, was sie von der Liebe halten soll. Dennoch erfährt sie mit und durch Jan, dass eine neue Liebe möglich ist, aber auch etwas Mut bedarf.

Voller Freude bin ich in diesen Roman eingetaucht und habe das Lesen sehr genossen. Denn die Art, wie Lily Martin erzählt, ist flüssig und leicht, sodass es perfekt zur Handlung passt. Auch der französische Lebensflair spielt eine große Rolle und macht Lust, ebenfalls selbst auf der Terrasse mit einem Croissant und einer Chocolat chaud zu sitzen und die Sonne zu genießen.

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Seitenzahl: 304
Ersterscheinung: 16.07.2024
ISBN: 9783499011382 
Preis: 13,00
Reihe: Paris und die Liebe, Band 2 

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag und Lily Martin für das Rezensionsexemplar! 

Sonntag, 4. Mai 2025

Rezension: Claire Renaud - Die Liebenden am Canal Saint-Martin

 

Ein Abend in der kleinen Brasserie am Canal Saint-Martin

An einem Abend wie diesem ist die kleine Brasserie am Canal Saint-Martin wieder einmal voll besetzt. Die drei Angestellten des Lokals geben sich deshalb größte Mühe alle ihre Gäste zufrieden zu stellen. Ali gibt in der Küche sein Bestes, während Marion den Service übernimmt und Cyril wie immer hinter der Bar steht. Vorallem für Marion und Cyril ist jeder Abend anders, denn die Stimmung der Gäste ist unterschiedlich und auch die Besucher andere. Doch heute sind vorwiegend Stammgäste hier, wie Monsieur Fontaine, der den Tod seiner Frau noch nicht verarbeitet hat und deshalb immer wieder mit ihr spricht oder der Aufreißer aus Bordeaux, der häufig kommt und immer in Begleitung einer anderen Frau. Aber Cyril freut sich nicht nur auf die Gäste und deren Geschichten, an denen er regelmäßig teilhaben darf, sondern auch auf Marion, die bereits seit zwei Monaten im Service arbeitet und in die er sich auf den ersten Blick verliebt hat. Doch den Mut aufzubringen, um sie um ein näheres Kennenlernen zu bitten, fällt ihm schwer.

Claire Renaud beschreibt in diesem Roman einen einzigen Abend in einer kleinen Brasserie. Dennoch gelingt es ihr, die Atmosphäre an den verschiedenen Tischen auf eine ganz besondere, realistische und authentische Weise zu beschreieben. Denn so unterschiedlich wie die Gäste sind auch ihre Liebesgeschichten. Obwohl Cyril und Marion die beiden Hauptcharaktere sind, in deren Leben und Gedanken die Leser die häufigsten Einblicke erhalten, kommen auch die anderen Gäste zu Wort und erzählen über ihre Gefühle, Gedanken und Lebenssituationen.

Dieser Roman ist wirklich besonders und strahlt eine ganz besondere Stimmung aus. Leider hatte ich aber während dem ersten Drittel wirklich große Probleme in einen Lesefluss zu finden und war einfach nicht gefesselt. Das hat sich erst später gelegt und ich habe danach gespannt verfolgt, welche Schicksale die einzelnen Personen erleiden oder wie es ihnen momentan ergeht. Dennoch hat die Autorin meist nur einmal über die Personen geschrieben, sodass immer noch viel Platz für Interpretationen bleibt. Einerseits mochte ich es, andererseits hätte ich mir ein wenig mehr Happy End und positive Gefühle gewünscht, was letztlich aber der Authentizität der einzelnen Liebesgeschichten widersprechen würde...

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Seitenzahl: 240
Ersterscheinung: 09.01.2025
ISBN: 9783423284363 
Preis: 15,00

Vielen Dank an den dtv-Verlag und Claire Renaud für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 16. März 2025

Rezension: Eva-Maria Bast - Der Schmuckpalast - Antoinette und das Funkeln der Edelsteine

 

Die interessanten Anfänge der Schmuckdynastie Cartier

Paris, 1792: Bei einem spektakulären Raub wurden in den Wirren der Französischen Revolution beinahe alle Kronjuwelen des Königshauses gestohlen. Mittendrin die drei Freunde Pierre, Paul und Manon. Doch angestachelt von einigen geglückten Rauben, werden sie übermütig...

Paris, 1934: Antoinette ist nun zwölf Jahre alt und geht ab nun nicht mehr in die Schule, sondern muss die Mutter beim Verkauf des selbst angebauten Obst und Gemüses auf dem Markt unterstützen. Antoinette ist untröstlich, denn sie liebt die Schule und möchte immer noch mehr lernen. Doch der Vater bleibt auch dann hart, als die Lehrerin sogar anbietet, die Zwölfjährige kostenfrei weiter zu unterrrichten. Trotzdem findet sich eine Gelegenheit und Antoinette bleibt so wissbegierig, wie sie es seit jeher war. Als eines Tages ein junger Mann beinahe mit dem Marktwagen der Familie zusammenstößt, begegnet Antoinette das erste Mal dem Goldschmiede-Lehrling Louis-Francois Cartier und sie sieht sein Gesicht immer wieder vor sich. Als sie sich überraschend an einem Sonntag am Ufer der Seine begegnen, fühlen sie sofort eine tiefe Verbundenheit, die schließlich, nach einigen Jahren, in Liebe mündet. Denn sie verstehen sich und sind nicht nur Liebende, sondern auch beste Freunde mit gemeinsamen Zielen - nämlich einer eigenen Goldschmiede-Werkstatt. Da Antoinette wunderbar zeichnen kann und Louis sehr gewissenhaft arbeitet, gelingt es ihnen nach sehr entbehrungsreichen Jahren, das Geschäft von Louis früherem Lehrmeister zu übernehmen. Obwohl sie nun eine etwas sicherere Zukunft haben, bringt das Leben und die politischen Unruhen in Paris immer wieder neue Unwägbarkeiten, die von den Beiden bezwungen werden müssen.

Eva-Maria Bast erzählt in diesem ersten Band der Trilogie rund um die Schmuckdynastie Cartier die Anfänge der Familiengeschichte. Von historischen Begebenheiten geprägt schildert die Autorin auf anschauliche Weise die Firmengeschichte. Immer bemüht um zeitliche Korrektheit, erzählt sie so die vielen Ereignisse, die Antoinette und Louis in ihrem Leben bestreiten mussten.

Die Autorin ist mir bereits von anderen Werken bekannt und ich war sehr gespannt auf diese neue Reihe. Obwohl mir der Roman sehr gut gefallen hat und ich voller Begeisterung immer wieder in das historische Paris eingetaucht bin, hatte ich manchmal den Eindruck, aufgrund der vielen historischen Details und Begebenheiten, in einer Geschichtsstunde gelandet zu sein. Auch deshalb hat mir manchmal die charakterliche Tiefe der beiden Protagonisten gefehlt, die ja dafür sorgt, dass Personen realistisch und nahbar wirken. Obwohl ich nun kleine Schwächen aufgezählt habe, finde ich den Auftaktband der Reihe durchaus vielversprechend und bin schon sehr auf den zweiten Teil gespannt.

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: Aufbau TB
Seitenzahl: 403
Ersterscheinung: 15.10.2024
ISBN: 9783746641065 
Preis: 14,00
Reihe: Die Juwelier-Saga, Band 1

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag und Eva-Maria Bast für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 18. Juni 2024

Rezension: Clara Simon - Und dann kam das Glück

 

Liebe in der romantischsten Straße von Paris

Im Pariser Stadtteil Belleville gibt es eine kleine Straße, die von Autos nicht befahren werden und von Touristen und Einheimischen der Ruhe und Beschaulichkeit wegen aufgesucht wird - die Rue de la Chance. Doch gerade ist die Straße voller Lärm und Staub, denn der ehemalige Antiquitätenladen der Straße wurde verkauft und die neue Besitzerin lässt ihn gerade renovieren. Allerdings kennt niemand die neue Nachbarin, nur der Bauleiter Ben ist täglich da und überwacht die Bauarbeiten. Für Blumenhändlerin Chloé ist dieser Lärm und Staub kaum mehr zu ertragen, denn nicht nur sie leidet unter den Strapazen, sondern auch ihre Pflanzen, die ihr alles bedeuten. Und obwohl Ben ihr sehr sympathisch erscheint, wagt sie es nicht, sich einmal bei ihm zu beschweren oder überhaupt zu fragen, wie lange die Bauarbeiten wohl noch andauern werden. Erst mit der Zeit kommen sich die beiden näher und werden von den Ladenkollegen Pierre, Kim, Lilou und Bernadette mit Wohlwollen beobachtet. Denn die fünf Ladenbesitzer stehen sich sehr nahe und machen die Rue de la Chance noch besonderer und einzigartiger.

Clara Simon beschreibt in diesem Auftaktband der Reihe rund um die Rue de la Chance das ganze Geschehen aus der Sicht Chloés, die nun ihr Glück in Ben finden soll. Chloé ist eine sehr sympathische Protagonistin, die durch ihre zuerst zurückhaltende und schüchterne Art anfangs wenig wagt, aber mit der Zeit immer mutiger und selbstbewusster wird. Diese Entwicklung macht Freude und ist auch eins der Kernthemen des Buches. Natürlich neben der Straße selbst und den Ladenbesitzern, die eine eingeschworene Gemeinschaft sind.

Dieser Roman hat mir einige sehr schöne Lesestunden beschert, die mich vom alltäglichen Geschehen um mich herum abgelenkt haben. Zu gerne würde ich einmal durch diese zauberhaft schöne Straße gehen, eine Kerze bei Pierre kaufen, einen Eisbecher bei Kim genießen, eine selbst gebastelte Karte von Lilou erwerben, das leckere Gebäck von Bernadette probieren und schließlich ein Blumengesteck von Chloé kaufen.

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: Lübbe
Seitenzahl: 304
Ersterscheinung: 24.06.2022
ISBN: 9783404188123 
Preis: 10,99
Reihe: Die Rue de la Chance-Reihe, Band 1

Vielen Dank an den Lübbe-Verlag und Clara Simon für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 10. März 2024

Rezension: Tatiana de Rosnay - Sarahs Schlüssel

 

Ich bin tief berührt...

Paris, 1942: Im Rahmen der Deportation von Juden wurden auch hier ganze Arrondissements bei Razzien durchkämmt. Die Familie von Sarah wurde im Vélodrome d'Hiver gemeinsam mit tausenden anderen Juden eingesperrt und nach einigen Tagen mit Bussen abtransportiert. Allerdings wusste niemand, dass Sarah beinahe verzweifelte, hatte sie doch ihren vierjährigen Bruder im versteckten Wandschrank eingeschlossen und ihm versprochen, bald wieder zu kommen. Den Schlüssel hält sie gut verborgen in ihrer Tasche, dennoch gelingt es ihr nicht, vor den französischen Polizisten zu flüchten und sich um ihren Bruder zu kümmern...

Paris, 2002: Die Journalistin Julia bekommt den Auftrag, für ihre Zeitung über das Vél d'Hiv zu recherchieren und einen Beitrag zum sechzigsten Jahrestag zu verfassen. Allerdings sagt Julia dieses Ereignis gar nichts und erst nach gründlichen Nachforschungen erfährt sie, was die Pariser so erfolgreich verdrängt und schließlich vergessen haben. Das Schicksal der vielen tausend Familien lässt sie einfach nicht mehr los und sie geht immer weiter in die Tiefe. Allerdings hätte sie niemals gedacht, dass auch die Familie ihres Mannes von diesen Deportationen profitiert und ihren Schwiegervater und dessen Vater ihr ganzes Leben verfolgt hat...

Tatiana de Rosnay hat als Grundlage für diesen Roman ein geschichtliches Ereignis gewählt, das zwar von immenser Bedeutung für den kompletten Verlauf des Holocaust in Paris war, den Menschen heute aber kaum mehr ein Begriff ist. Leider ist das vorallem deswegen der Fall, da die Leute sich nicht vorstellen wollten, dass auch ihre eigenen, französischen Polizisten eine große Rolle bei der Judenverfolgung gespielt haben und die Schuld gerne den Deutschen zuschoben, die natürlich durch Hitler als Hauptbeteiligte agiert haben. Obwohl die Protagonisten, allen voran Sarah, allesamt fiktive Charaktere sind, geben sie das Geschehen der damaligen Zeit sehr eindrücklich und berührend wieder. Die Erzählweise auf zwei Zeitebenen sorgt für mehr Tiefe und Spannung. Umso gelungener ist es auch, dass die beiden Handlungsstränge bereits im zweiten Drittel des Romanes zusammenfließen, aber trotzdem nichts an Spannung und Tiefgang verloren geht.

Ich wusste bei diesem Roman nicht so genau, was mich wohl erwartet und wollte es auf mich zukommen lassen. Obwohl bereits der Klappentext eine sehr emotionale Geschichte erahnen lässt, war ich doch positiv überrascht, wie sehr mich das Schicksal von Sarah berührt. Aber auch Julias Leben, das längst nicht nur aus den Recherchearbeiten für ihren Artikel besteht, ist so viel mehr als nur eine Rahmenhandlung und Verbindung zur Gegenwart. Leider habe auch ich noch nie etwas über diese brutale Art und Weise der Deportation gehört und war sehr ergriffen. Doch ich kann das Vorhaben der Autorin nur noch einmal wiederholen: "Ich möchte den Kindern des "Vél d'Hiv" meinen Tribut zollen, die nie mehr zurückgekommen sind. Und denen, die überlebt haben, um davon zu berichten.". Das ist ihr perfekt gelungen! Und auch ich möchte nochmals daran erinnern, dass die Geschichte niemals vergessen werden darf!

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Penguin
Seitenzahl: 416
Ersterscheinung: 16.08.2023
ISBN: 9783328110156 
Preis: 12,00

Vielen Dank an das Bloggerportal, den Penguin-Verlag und Tatiana de Rosnay für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 8. Februar 2024

Rezension: Nicolas Barreau - Tausend Lichter über der Seine

 

Eine turbulente Weihnachtszeit

Joséphine ist schon immer das schwarze Schaf der Familie, denn trotz ihrer Bestnoten hat sie nicht Jura, Medizin oder ein ähnlich hochangesehenes Fach studiert, sondern wollte schon immer Übersetzerin werden. Jetzt, mit 31 Jahren, lebt sie in einer Mansarde in ihrer Heimatstadt Paris und übersetzt finnische Romane ins Französische. Ihre Affäre mit Luc, der um einiges älter ist als sie, verheiratet ist und Kinder hat, zieht sich nun schon seit drei Jahren, immer begleitet von Lucs vielen Versprechen, Joséphines Enttäuschungen, immer wenn er sich wieder nicht getraut hat, mit seiner Frau zu sprechen und sich zu trennen, und Weihnachtsfesten im Kreis ihrer Familie, in denen sie zu spüren bekommt, dass sie doch auch endlich einmal einen Mann finden sollte. Doch dieses Jahr soll alles anders werden, denn er hat ihr versprochen, sie zu ihrer Familie zu begleiten und sich endlich zu ihr zu bekennen. Bevor aber Weihnachten vor der Tür steht, bekommt Joséphine zwei Briefe, der eine teilt ihr mit, dass ihr Verlag insolvent ist und ihr nach dem jetzigen Buch keine Aufträge mehr erteilt werden, der zweite ist von einem Notar, der ihr eröffnet, dass Onkel Albert verstorben ist und sie als die Alleinerbin eingesetzt hat. Nun ist sie also Besitzerin eines Hausbootes auf der Seine, ahnt aber noch nicht, dass sie es nicht so schnell verkaufen kann, wie erhofft, denn der Mieter, dem sie dort unverhofft begegnet, hat einen Mietvertrag über zehn Jahre und erst fünf davon sind vergangen. Joséphines Weihnachtszeit wird also sehr turbulent und hält immer neue Überraschungen parat.

Nicolas Barreau versteht es, die Geschichte von Joséphines Weihnachtszeit, sehr unterhaltsam und kurzweilig zu erzählen. Er versteht es, ihre Emotionen in Worte zu fassen, die berühren. Trotz der niederschmetternden Liebe zu Luc, dem Tod ihres Onkels und den Schwierigkeiten mit ihrer Familie, versucht sie immer wieder, das Positive zu sehen und versucht, das Beste aus den Situationen zu machen.

Ich habe beim Lesen gar nicht gemerkt, wie schnell die Seiten dahingeflogen sind und war innerhalb kürzester Zeit bereits am Ende angelangt. Die Handlung des Buches hat mir gut gefallen, allerdings habe ich mir nach dem Lesen des Klappentextes etwas mehr Liebe und Romantik gewünscht, was kaum der Fall war. Eher waren die negativen Erlebnisse mit Luc, ihr Jobverlust und die schwierigen Gespräche mit ihren Familienmitgliedern Thema. Die Liebe aber kam erst auf den letzten zwanzig Seiten und wurde dann von Katz-und-Maus zu großer Liebe, was mir alles etwas zu schnell abgehandelt wurde. Insgesamt ein unterhaltsamer und kurzweiliger Winter-Weihnachtsroman, der mir schöne Lesestunden bereitet hat!

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Seitenzahl: 304
Ersterscheinung: 12.09.2023
ISBN: 9783499003721 
Preis: 12,00

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag und Nicolas Barreau für das Rezensionsexemplar!

Montag, 31. Juli 2023

Rezension: Lily Martin - Sommertage im Quartier Latin

 

Eine überraschende Rückkehr in das sommerliche Paris

Lola Mercier weiß mit ihren dreißig Jahren immer noch nicht so genau, was sie für ihr Leben möchte. So lebt sie seit einiger Zeit in Boudreaux, kellnert und wohnt in einer WG mit ihrem besten Freund, den sie dort kennengelernt hat. Nach Paris möchte sie nie mehr zurückkehren, da ist sie sich sicher. Diese Sicherheit stellt sich aber schnell in Frage, als sie wegen ihrer verschwundenen Großmutter in ihre alte Heimat zurückkehrt. Das Quartier Latin empfängt sie mit vielen Erinnerungen an früher, aber auch einigen Neuerungen, die ihr aber allesamt zusagen und sie mit der Zeit bemerken lassen, wie gut ihr das Leben in Paris tut...

Lily Martin gelingt es schnell, das sommerliche Flair des Pariser Lebens auf ihre Leser zu übertragen. Lola ist eine eher unstete Persönlichkeit, die unverbindlich lebt und sich auf nichts einlassen will, das sie in irgendeiner Weise unter Druck setzen könnte. Trotzdem vollführt die Rückkehr in ihr altes Stadtviertel eine sichtbare Wandlung mit ihr und sie wirkt glücklicher und irgendwie auch angekommen. Diese Entwicklung von Lola ist schön anzusehen und macht die gesamte Person realistischer und nahbarer.

Der Roman hat es geschafft, mir Paris etwas näherzubringen und mich sogar dazuzubringen, ernsthafte Gedanken an eine Reise dorthin zu hegen. Die sommerliche Stimmung gefällt mir sehr und auch die vielen Charaktere in Nebenrollen machen die Handlung abwechslungsreicher, ebenso wie die hin und wieder vorkommenden Perspektivwechsel, sodass auch die Nebencharaktere zu Wort kommen.

Ein wunderschöner Sommerroman zum Wegträumen!

 

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Seitenzahl: 320
Ersterscheinung: 18.07.2023
ISBN: 9783499011375 
Preis: 12,00

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag und Lily Martin für das Rezensionsexemplar!