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Montag, 12. Oktober 2026

Rezension: Nikolas Kuhl & Stefan Sandrock - Bittere Nacht

Ein komplexer neuer Fall für Juha und Lux 

Und plötzlich stecken Juha und Lux vom LKA Hamburg wieder mitten in einem neuen Fall. Denn aus einem vermeintlichen Suizid wird schnell ein Mordfall und der junge Unternehmer ein Opfer. Als Lux und Juha Zeugen eines weiteren Anschlages werden und den Partner des ersten Opfers ebenfalls nicht mehr retten können, ist klar, dass dieser Fall komplex und schwierig werden wird. So stürzen sich die Beiden sofort in die Ermittlungen, haben aber auch in ihrem Privatleben mit so manchen Schwierigkeiten und unvorhersehbaren Ereignissen zu kämpfen. 

Die beiden Autoren Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock haben mit diesem zweiten Band der Reihe sehr gut an den Auftaktteil angeknüpft. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Ermittlungsarbeit und Privatleben der beiden Kommissare unterhalten sie ihre Leser*innen. Da die Kapitel eher kurz sind, liest sich der Krimi flüssig und spannend, wenn auch im Mittelteil einige Längen vorhanden waren und der Fall nur langsam vorangeschritten ist. Dafür baut sich gegen Ende deutlich mehr Spannung auf und auch das Ende ist nicht wirklich vorhersehbar. 

Ich mag Juha und Lux sehr gerne und habe mich gefreut, wieder mit ihnen einen neuen Fall zu durchleben. Auch wenn mir auch dieses Mal wieder ein wenig die Spannung gefehlt hat, hatte ich doch Spaß beim Lesen und war gespannt auf die Auflösung, wer denn nun der Täter ist. 

Hier geht es zur Verlagsseite und zur Leseprobe.

 

Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Seitenzahl: 464
Ersterscheinung: 12.08.2025 
ISBN: 9783499014291 
Preis: 14,00  
Reihe: Die LKA-Hamburg-Reihe, Band 2 

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag, Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 10. Juli 2026

Rezension: Susanne Lieder - In der Liebe wollen wir frei sein

Der Kampf um Freiheit

Hamburg, 1971: Juliane ist Journalistin mit Leib und Seele. Die Liebe zum geschriebenen Wort hat bei ihr schon in der Kindheit begonnen und seither nicht nachgelassen. Aber heute kann sie etwas mit ihren Artikeln bewirken, denn ihre Anstellung bei der Frauenzeitschrift Brigitte sorgt für ein großes Leserinnenpublikum. So widmet sie sich vorallem den gesellschaftlichen Themen wie dem Recht auf die freie Entscheidung der Frau, aber auch die Rente für alle und natürlich der Gleichberechtigung von Mann und Frau. Da kann sie bei den Aufständen in Frankreich und den Frauen, die gegen den Paragraphen 218 protestieren, der Frauen einen Schwangerschaftsabbruch verbietet, nicht die Füße stillhalten und verfasst so manchen Artikel zu diesem Thema und sorgt für eine Vereinigung der Frauen auf dem Hamburger Domplatz. Als sie sich aber in den attraktiven, aufgeschlossenen und modern denkenden Andreas verliebt, wird auch ihr Weltbild und ihre innere Einstellung auf die Probe gestellt, denn bisher ging ihr der Journalismus über alles.

Susanne Lieder ist es gelungen, einen packenden Roman über die mutigen Frauen der 1970er Jahre zu schreiben. Obwohl Juliane eine rein fiktive Persönlichkeit ist, steht sie doch für so viele Frauen dieser Zeit. Denn sie erhebt ihre Stimme und nutzt ihre Reichweite, um andere Frauen zum Umdenken zu bewegen. Dennoch steckt sie in einem Zwiespalt zwischen der Liebe zu einem Mann und dem Kampf um das Recht der freien Entscheidung für Frauen und die Gleichberechtigung von Frau und Mann. 

Ich bin nur so durch diesen Roman geflogen, denn Susanne Lieder hat einen mitreißenden und berührenden Erzählstil und ich wollte einfach nur immer weiter lesen. Da die Protagonistin so real und nahbar wirkt, konnte ich mich schnell mit ihr identifizieren, was mich noch mehr gefesselt hat. Daher kann ich den Roman nur weiterempfehlen, vorallem an diejenigen, die sich für packend erzählte Zeitgeschichte begeistern. 

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Aufbau TB
Seitenzahl: 352
Ersterscheinung: 13.01.2026
ISBN: 9783746640341
Preis: 15,00
Reihe: Sternstunden der Frauen, Band 2 

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag und Susanne Lieder für das Rezensionsexemplar! 

Mittwoch, 15. April 2026

Rezension: Miriam Georg - Das Tor zur Welt: Hoffnung

Ava & Claire - Zwei unterschiedliche Frauen in Hamburgs Auswandererhallen 

Hamburg, 1912: Claire wurde nach ihrer Ankunft in New York direkt wieder zurück nach Hamburg geschickt, denn eine schlimme Augeninfektion hat die Einreise verhindert. So lag sie wochenlang im Krankenhaus und wird einen bleibenden Schaden am linken Auge behalten. Doch schlimmer ist die Zurückweisung durch ihren Geliebten Magnus, der sie in New York verleugnen ließ und lieber zu seiner Ehefrau nach Hamburg zurückgekehrt ist, um zu tun, als wäre nie etwas geschehen und er habe Claire schon lange nicht mehr gesehen. Aber auch Ava, ihre Freundin, der sie das Ticket für die Überfahrt nach Amerika gestohlen hat, kämpft weiter um eine gerechte Zukunft und arbeitet für ein kleines Zimmer und ein wenig Geld in Ballinstadt. Dennoch vergibt sie Claire ihr plötzliches Verschwinden und gemeinsam machen sie sich daran, endlich einen Weg für ihre Zukunft zu finden, der sie glücklich werden lässt. 

Miriam Georg knüpft in diesem zweiten Band der Reihe rund um die Hamburger Auswandererhallen nahtlos an den ersten Band an. Daher sollte die Reihe in der richtigten Reihenfolge gelesen werden, denn Vorkenntnisse sind dringend notwendig. Mithilft von vielen Perspektiven vermittelt die Autorin einen umfassenden Einblick in das Leben der Auswanderer und der Menschen, die an ihrer Ausreise maßgeblich beteiligt sind. Durch diese unzähligen Perspektiven und Charaktere entwickeln sich viele Handlungsstränge, die letztlich aber zu einem runden Abschluss finden. 

Ich habe diesen zweiten Band nun mit längerem Abstand zum ersten Teil gelesen, hatte aber dennoch keine Probleme, wieder in die Handlung zu finden, denn diese war sehr eindrücklich und dadurch noch im Gedächtnis. Claire hat mich nun wirklich beeindruckt, denn aus der verwöhnten, egoistischen Göre ist eine erwachsene, reife und hilfsbereite Frau geworden, die für sich einsteht, aber auch an ihre Mitmenschen denkt. Aber auch Ava ist unheimlich reif und begeistert mich durch ihr großes Herz und ihre Fähigkeit Claire zu verzeihen und voll und ganz zu ihrer Freundin zu stehen, obwohl sie einen riesengroßen Verrat durch sie erlitten hat. Allein diese beiden Frauen sorgen dafür, dass mir die Dilogie noch lange im Kopf bleiben wird, aber auch sämtliche andere Charaktere sind beeindruckend, wenn auch nicht immer nur im positiven Sinne. Daher vergebe ich gerne fünf Sterne spreche eine klare Leseempfehlung aus! 

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Seitenzahl: 656
Ersterscheinung: 18.10.2022
ISBN: 9783499008580
Preis: 14,00
Reihe: Die Hamburger Auswandererstadt, Band 2

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag und Miriam Georg für das Rezensionsexemplar! 

Montag, 16. Februar 2026

Rezension: Juliane Jensen - Wir Mädchen vom Kiez

Hannas Neuanfang mitten im sündigen Kiez-Leben

St. Pauli, 1953: Hanna musste in einer Nacht und Nebel-Aktion vor ihrem übergriffigen Stiefvater flüchten. So ist sie mitten im sündigsten Teil Hamburgs gelandet - der Reeperbahn. Als sie bei einem Überfall schwer verletzt wird, finden Richard und Carmen die junge Frau und bringen sie in Richards Kellerwohnung. Dass sie mitten in einem Bordell erwacht, kann sie zuerst gar nicht fassen. Denn solche Dinge waren bisher nie Thema in ihrem Leben und bringen sie zum Erröten. Doch Hausmeister Richard nimmt sie freundlich bei sich auf und kümmert sich um sie. Als schließlich die Witwe Rieke, die auch mit im Haus lebt, von dem Mädel vom Land erfährt, darf sie dort in einer Kammer bleiben und muss für Puffmutter Evke und ihre Huren die Stundenzimmer putzen. Doch Hanna würde alles tun, damit sie weiterhin ein Dach über dem Kopf hat. Nur prostituieren würde sie sich nie, das ist eindeutig klar - leicht wird die folgende Zeit aber nicht für sie. 

Juliane Jensen hat einen sehr fesselnden Erzählstil, der mitreißt und die Dinge beim Namen nennt. So erleben die Leser*innen sehr deutlich, wie das Leben im sündigen St. Pauli ist, sehen aber auch, wie eng die Huren zusammenstehen, wenn es Probleme gibt. Hanna ist mittendrin und mit ihrer braven, etwas biederen Art ein Kontrast zu den abgehärteten und unverblümten Prostituierten. Und obwohl das Leben hart ist und das Wirtschaftswunder in diesem Bezirk noch weit entfernt scheint, schlägt Hanna sich durch und lernt sogar die Liebe in all ihren Facetten kennen. 

Eigentlich wollte ich in diesen Roman erstmal nur reinlesen, allerdings war ich bereits nach den ersten dreißig Seiten so mitgerissen, dass ich immer weitergelesen habe. Ich mochte Hanna auf Anhieb total gerne, denn sie war eine sehr nahbare und dennoch zurückhaltende Protagonistin. Wegen ihr und auch der anderen Charaktere, die allesamt faszinierende und sehr verschiedene Persönlichkeiten sind, hatte ich sehr interessante und bewegende Lesestunden, an die ich noch lange denken werde.  

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Heyne
Seitenzahl: 384
Ersterscheinung: 13.08.2025
ISBN: 9783453429291
Preis: 13,00

Vielen Dank an das Bloggerportal, den Heyne-Verlag und Juliane Jensen für das Rezensionsexemplar! 

Montag, 11. August 2025

Rezension: Hedda Anders - Tot überm Weidezaun

 

Ein Mord zwischen Kuhweiden, Alpakas und eigenwilligen Dackeln

Wencke Dierksen hat ihren Job als Kriminalpolizistin an den Nagel gehängt, nachdem ein sehr unschöner Vorfall für hohe Wellen gesorgt hat. Seither lebt sie auf dem geerbten Hof ihres Onkels Johann in Sorum, dreißig Minuten von Hamburg entfernt. Sie genießt die Ruhe, das Ausschlafen, das Zusammensein mit Alpaka Christopher, der sich auch heimisch im Wohnhaus fühlt, und die Zeit mit ihrem Freund Hosse. Doch als überraschend ihr früherer Kollege Theo Kleist auf ihrem Hof auftaucht, ahnt sie schon, dass etwas im Busch ist. Und tatsächlich soll sie ihm bei den Ermittlungen zu seinem neuesten Fall helfen, denn es exisitiert lediglich das Video eines vermeintlichen Mordes, aufgenommen von Dackel Bootsmann, der immer wieder von zuhause abhaut und dabei gerne das Smartphone seines Herrchens mitnimmt. Nachdem Wencke nicht wirklich ablehnen kann, macht sie sich an die Arbeit und sucht nach Spuren im Video, die ihr weiterhelfen können. Schneller als erhofft steckt sie auch schon mitten in den Ermittlungen und fühlt sich eigentlich ganz wohl dabei.

Hedda Anders ist ein Pseudonym und verhilft einer Hamburgerin dazu ihren ersten Kriminalroman zu veröffentlichen. Der Erzählstil der Autorin ist flüssig und gespickt von unterhaltsamen Momenten. Dennoch steht die Ermittlungsarbeit immer im Mittelpunkt. Da das Landleben sehr bildlich und detailreich dargestellt wird, fühlen die Leser sich schnell angekommen und beinahe selbst als Teil der Dorfgemeinschaft.

Ich mochte den Krimi sehr gerne, auch wenn das Ende etwas vorhersehbar war. Wencke, Theo und Hosse sind drei Charaktere, die ich gerne in weiteren Büchern wiedertreffen möchte, weshalb ich auf eine Fortsetzung hoffe.

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Seitenzahl: 256
Ersterscheinung: 11.03.2025
ISBN: 9783499015441 
Preis: 13,00
Reihe: Ein Mord auf dem platten Land, Band 1

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag und Hedda Anders für das Rezensionsexemplar! 

Donnerstag, 7. August 2025

Rezension: Frieda Lamberti - Apfelzeit am Deich

Ein Apfelhof im Alten Land

Merle liebt ihre Oma Grete über alles und besucht sie so oft wie möglich auf ihrem Apfelhof in der Kleinstadt Jork im Alten Land. Doch diesmal spürt sie schnell, dass ihre Oma langsam Hilfe braucht. Deshalb spricht Merle nicht nur mit ihrer Mutter Wiebke und ihrem Bruder Paul, sondern nimmt sogar Kontakt zu ihrem Vater Hauke auf, obwohl sie ihn in den letzten Jahren gemieden hat. Denn die Familie ist nicht mehr vereint, sondern durch viele Streitereien und unglückliche Umstände in der Vergangenheit in viele Kleinteile zersprengt. Für Grete wird es allerdings immer wichtiger, Frieden mit allen zu schließen und die alten Fehden endlich zu beenden. Doch nur mit einigen Tricks gelingt es ihr, in kleinen Schritten an einer Familienzusammenführung zu arbeiten.

Frieda Lamberti hat für diesen Roman die wunderschöne Kulisse des Alten Landes gewählt. Der Apfelhof ist malerisch gelegen und bietet die perfekte Gelegenheit, um langanhaltende Streitereien endlich zu klären. So ist der Roman geprägt von Grete, die endlich mit den Missverständnissen der vergangenen Jahre aufräumen will und das in Form von vielen Gesprächen und einigen Tricksereien tut. Da sich der Erzählstil der Autorin sehr flüssig liest, kommt es nie zu Längen und die Handlung schreitet zügig voran.

Ich mochte den Roman wirklich gerne und hatte einige unterhaltsame Lesestunden. Da die Handlung keine allzu großen Dramen bietet, sondern eher wie eine realistische, aber dennoch schwierige Familiengeschichte anmutet, passt sie perfekt für eine kurzweilige Lesezeit in entspannter Stimmung. 

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: HarperCollins Taschenbuch
Seitenzahl: 288
Ersterscheinung: 24.06.2025
ISBN: 9783365010006 
Preis: 13,00

Vielen Dank an den HarperCollins-Verlag und Frieda Lamberti für das Rezensionsexemplar! 

Montag, 12. Mai 2025

Rezension: Mina Teichert - Der Sonne entgegen

 

Zwei Fremde, ein Auto und ein Trip nach Italien

Romy sitzt mit ihrem Freund Henry, ihrer besten Freundin Lilly, deren Ehemann Piet und ihren Eltern bei einem romantischen Abendessen auf der Terasse eines schönen Hotels. Alles ist wunderbar bis Henry ihr vollkommen unerwartet einen Heiratsantrag macht. Nach kurzem Zögern nimmt Romy an und fühlt sich trotzdem etwas überfahren. Als Henry dann beginnt von seinen Zukunftsplänen für sie zu erzählen wird ihr alles zu viel und nach einer gemeinsamen Nacht hält sie es nicht mehr aus und flüchtet mit einem mehr oder weniger Fremden vom Hotelparkplatz. Denn ihr Fahrer Valentin ist ihr am Abend zuvor zum ersten Mal begegnet, als sie eine kurze Pause von allem brauchte. Umso mehr freut sie sich nun, dass er sich mitnimmt und sogar zustimmt, dass sie ihn nach Italien begleitet. Dies ist der Beginn eines turbulenten, unterhaltsamen und emotionalen Roadtrip durch die Schönheit Italiens...

Mina Teichert beherrscht es, die Reise der beiden beinahe Fremden so zu schildern, dass ihre Leser sich beinahe selbst als Mitfahrer fühlen. Die Handlung entwickelt sich sehr rasant und wird duch manche Szene turbulent, dann wieder romantisch und gefühlsgeladen. Da die beiden Protagonisten Romy und Valentin abwechselnd aus ihrer Sicht erzählen, erhält der gesamte Roman eine Tiefe, die ansonsten nicht möglich wäre.

Ich hatte beim Lesen des Buches durchgehend großen Spaß und so manchen Moment, an dem ich am liebsten selbst in Richtung Italien losgefahren wäre. Ich liebe es, wie die Autorin das Kennenlernen der Beiden, anfangs fremden Personen, auf eine unterhaltsame und packende Weise gestaltet und so manches Geheimnis lange nicht ans Licht kommt. Obwohl das Ende doch sehr vorhersehbar ist, hat es mir nie die Freude am Lesen genommen und ich habe mich am Ende nur umso mehr für die Beiden gefreut. Ein großartiger Sommerroman mit Fernwehgarantie!

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Seitenzahl: 336
Ersterscheinung: 17.04.2025
ISBN: 9783423221016 
Preis: 13,00

Vielen Dank an den dtv-Verlag und Mina Teichert für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 26. April 2025

Rezension: Manuela Inusa - Hortensientage

Eine sehr berührende Familiengeschichte

Ela und ihre Oma Lisa haben eine ganz besonders innige Beziehung und haben viel Zeit ihres Lebens gemeinsam verbracht. Seit Oma Lisa vor einem Jahr ins Altersheim musste, da es in ihrer Wohnung nicht mehr funktioniert hat, besucht Ela sie mindestens einmal in der Woche am Mittwoch. Diese Mittwochsbesuche sind ein ganz besonderes Ritual der Beiden und enden regelmäßig mit dem Mittagessen. Ela hat sich große Mühe gegeben, ein schönes und heimeliges Heim für ihre Oma zu finden und das ist ihr wahrlich gelungen, denn alle Bewohnerinnen verstehen sich und treffen sich gerne auf dem Flur, um sich zu unterhalten. Bisher kennt Ela aber nur die lustigen, unterhaltsamen Geschichten aus der Vergangenheit ihrer Großeltern. Den Zweiten Weltkrieg und die traurigen Zeiten wurden ausgespart. Da Ela aber auf der Suche nach einer Inspiration für ihren neuen Roman ist, bittet sie Oma Lisa darum, ihr von der Zeit während dem Krieg und den Anfängen der Liebesgeschichte zwischen Lisa und Werner zu erzählen. Und Oma beginnt tatsächlich zu erzählen...

Manuela Inusa hat in den letzten Jahren so einige Bestseller veröffentlicht und ist daher sehr bekannt. Dieser Roman spielt allerdings 2012 und erzählt unter anderem die Entstehungsgeschichte ihres Romanes "Jane Austen bleibt zum Frühstück", der 2015 im Blanvalet-Verlag erschienen ist. Vorallem beschreibt die Autorin in diesem Werk aber ihre ganz persönliche Familiengeschichte, immer erzählt von ihrer Oma Lisa.

Ich bin begeistert von diesem Roman! Denn ich wusste anfangs gar nicht, worauf ich mich bei diesem Buch einlasse und wurde von Seite zu Seite mehr von der wirklich berührenden Familiengeschichte, die mit viel Emotion und Liebe von Oma Lisa erzählt wird. Selten habe ich einen autobiografischen Roman so sehr genossen wie diesen und konnte mich vollkommen in den Geschichten verlieren. Die Art, wie Manuela Inusa zwischen den aktuellen Besuchen im Altersheim und den Rückblicken in die Vergangenheit wechselt ist ihr perfekt gelungen und hat mich gerade gegen Ende hin so manche Träne verdrücken lassen. Ein wunderschöner, bewegender und sehr gelungener Roman!

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Seitenzahl: 336
Ersterscheinung: 15.08.2024
ISBN: 9783423264006 
Preis: 17,00

Vielen Dank an den dtv-Verlag und Manuela Inusa für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 18. März 2025

Rezension: Clara Schönberg - Geysirnebel

 

Zwei bewegende Liebesgeschichten zu unterschiedlichen Zeiten

2024: Lia hat vor einiger Zeit den attraktiven Isländer Per in einer Bar kennengelernt. Da ihre beste Freundin Anna bereits vor einem Jahr den Schritt nach Island gewagt hat und seither dort lebt, war auch Lia schon häufiger dort im Urlaub und hat dabei nicht nur Anna, sondern auch Per immer wieder gesehen. Nachdem sie nun in Hamburg immer unglücklicher ist, wagt auch sie den Schritt einer Auswanderung. Innerhalb kürzester Zeit packt sie ihre Sachen und lässt ihr Leben in Deutschland hinter sich. Allerdings ist das Zusammenleben mit Per alles andere als einfach, denn er ist sehr verschwiegen und lässt Lia kaum hinter die Fassade blicken, was zu einer immer größeren Belastung für die Beziehung wird. Auch Pers beste Freundin Elín sorgt für so manchen Zweifel bei Lia. Kann ihre junge Liebe diese Schwierigkeiten überstehen oder zerbricht sie daran?

1771: Alva lebt mit ihrer Familie auf Island und hat die Insel noch nie verlassen. Das harte Leben mit den beiden Jahreszeiten Sommer und Winter ist für sie normal und sie liebt die raue Natur und ihre Freiheit. Dieses freie Leben endet aber bald, denn Alva soll den Händler Ólafur heiraten. Natürlich ist sie sich ihrer Pflichten bewusst, wozu auch diese arrangierte Ehe gehört, dennoch kann sie sich nicht für den stattlichen Mann erwärmen, den ihr Vater für sie auserwählt hat. Dass sie ihn nicht liebt, dessen ist sie sich leider nur zu bewusst, weshalb sie die verbotene Liebe zu Máhttu lange zu unterdrücken versucht. Doch als sie ihren Gefühlen nachgibt, verändert sich ihr ganzes Leben und Alvas Gedanken an eine Flucht wachsen...

Clara Schönberg erzählt in diesem Roman auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen von zwei Liebespaaren. Für Lia und Per ist die freie Entscheidung, wen sie lieben möchten, selbstverständlich, allerdings kämpfen sie mit anderen Problemen. Wohingegen Alva unglücklich ist, wie ihr weiteres Leben verlaufen soll und einen Mann heiraten soll, den sie nicht liebt, nur weil er die Existenz der Familie sichern und positiv beeinflussen kann. Dass beide Zeitebenen in der Gegenwart zusammengeführt werden, passt sehr gut und sorgt für mehr Tiefe der gesamten Handlung.

Da mir erst nach einigen Seiten bewusst wurde, dass ich hier mit dem zweiten Band einer Reihe gestartet habe, habe ich einfach weitergelesen, denn ich mochte Lia sofort und war gespannt auf ihr neues Leben in Island. Da die Autorin sehr athmosphärisch und bildreich von Island, der rauen und wunderschönen Natur und dem extrem wetterabhängigen Leben dort erzählt, habe ich mich sofort wohlgefühlt und wäre nun gerne selbst auf dieser ganz besonderen Insel, um alles mit meinen eigenen Augen zu sehen. Auch die Kombination aus Gegenwart und Vergangenheit ist perfekt gelungen, sodass die Seite zwischen den Zeitenwechseln immer nur so dahinfliegen. Ich werde demnächst auf jeden Fall noch den ersten Band über Anna und die Suche nach ihrem Verwandten lesen, denn die Andeutungen auf den Roman sind immer wieder da und machen mich sehr neugierig darauf, was ich denn wohl alles verpasst habe. Trotzdem ist es kein Problem, den Roman unabhängig vom Vorgängerbuch zu lesen, denn wichtige Fakten werden so in der Handlung wiederholt, dass niemals Fragen aufkommen.

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: HarperCollins Taschenbuch
Seitenzahl: 416
Ersterscheinung: 22.10.2024
ISBN: 9783365008232 
Preis: 13,00
Reihe: Island-Roman, Band 2

Vielen Dank an den HarperCollins-Verlag und Clara Schönberg für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 1. Februar 2025

Rezension: Elke Becker - Das Haus Kölln. Wahres Glück

Erneut kommen schwere Zeiten auf die Familie Kölln zu...

Elmshorn, 1938: Die Firma Kölln verkauft so viel, wie nie zuvor. Doch die politische Lage in Deutschland spitzt sich immer weiter zu und niemand weiß, wohin es weiterhin führen soll. Als dann der Krieg ausbricht, bangt Else sehr um ihren ältesten Sohn Peter, der alt genug für den Kriegsdienst ist und auch ihr Mann Claus ist noch nicht zu alt, um an die Front berufen werden zu können. Doch da die Regierung die Firma als kriegswichtig einstuft, hat Claus nichts zu fürchten. Peter dagegen bekommt den Einberufungsbefehl und muss in den Krieg ziehen. Else bangt um sein Leben und ist froh um jeden Tag, den er überlebt. Seine Schwestern trifft der Krieg ganz anders, denn Berta bleibt in Hamburg, hat sie dort doch ihre Arbeit im Blumenladen, ihre Swinger-Freunde, mit denen sie während der ersten Kriegsjahre noch wilde Feste feiert und schließlich auch ihren Freund Karl Gerdes, der als Arzt Hamburg nicht verlassen kann. Magdalena dagegen kehrt nach Elmshorn zurück und übernimmt die Modeboutique von Else. So kämpft jedes Familienmitglied der Köllns mit seinen ganz eigenen Schwierigkeiten, die Familie bleibt für alle aber immer an erstes Stelle.

Elke Becker schildert das Schicksal der Familie Kölln während dem 2. Weltkrieg sehr fesselnd. Während nun die Firma und die Produktion ein wenig in den Hintergrund gerückt ist, da die politischen Bedrohungen zunehmen, steht die Familie im Vordergrund. So müssen die jüdischen Familienmitglieder das Land verlassen und in Dänemark bei Marie und John Zuflucht suchen. Peter und Ernsthermann müssen in den Krieg ziehen, während Else und Claus sich weiterhin um die Firma kümmern, leider nicht ohne die Zuhilfenahme von Ostarbeitern und Berta und Magdalena, die sich ein neues Leben aufbauen müssen, da das Studium nicht weitergeführt werden darf. Somit zeigen sich die unterschiedlichsten Probleme, die mit Hitler und seiner schrecklichen Regierung aufkommen und wie sie die Menschen auf eine harte Probe stellen.

Ich habe diese Reihe unheimlich gerne gelesen und war begeistert, wie facettenreich es der Autorin gelungen ist, die politische Lage mit dem Familienleben der Köllns zu verbinden. Dass die Reihe nun zu Ende ist, finde ich schade, aber ich finde den Schluss trotzdem sehr rund und gelungen.

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Heyne
Seitenzahl: 384
Ersterscheinung: 10.07.2024
ISBN: 9783453427198 
Preis: 12,00
Reihe: Die Kölln-Saga, Band 3

Vielen Dank an das Bloggerportal, den Heyne-Verlag und Elke Becker für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 17. Dezember 2024

Rezension: Sonja Roos - Eine grenzenlose Welt - Aufbruch

Eine eindrucksvolle Reise in das New York der 1890er Jahre!

New York, 1892 bis 1896: In Hamburg legen mittlerweile beinahe täglich große Dampfschiffe ab, die europäische Männer und Frauen nach Amerika bringen. So lernen auch die beiden deutschen Cousinen Rosie und Marga den russischen Juden Simon und den Halbwaisen und kriminellen Jugendlichen Nando kennen. Sie alle hoffen auf einen Neuanfang in den Vereinigten Staaten. Doch Rosies Stiefvater, der leider ganz andere Absichten mit seiner Stieftochter hegt, als es angemessen wäre, steht der jungen Frau im Weg. Als dieser ab bei einem schrecklichen Unglücksfall über Bord geht und in den Tiefen des Ozeans untergeht und verschwindet, macht diese sich große Vorwürfe und will sich der Polizei stellen. Nur mit großer Mühe gelingt es Simon und Marga, sie von diesen unglückseligen Plänen abzubringen und sie wieder mit etwas Zuversicht und Hoffnung in die Zukunft blicken zu lassen. Dieses Ereignis hat sie aber auf ewig miteinander verbunden, sodass sich ihre Wege in New York nicht trennen. Dennoch wird die Freundschaft immer von den unglücklichen Verliebtheiten überschattet, hat sich Simon doch auf den ersten Blick in Rosie verliebt, die seine Gefühle nicht erwidern kann und von ihrer Vergangenheit einfach nicht loskommen. Aber auch Nando liebt Marga sehr, diese wiederum liebt Simon. So bahnen sich schwierige Zeiten für die Freundschaft an....

Sonja Roos gelingt es, die Geschichte dieser vier jungen Menschen auf eine sehr berührende und eindrucksvolle Weise zu erzählen. So fühlt sich vieles so an, als wären die Leser selbst Teil der Handlung. Sie stellt aber nicht die Liebe und die damit verbundenen Probleme in den Mittelpunkt, sondern lässt sie zu einem Punkt der Gesamthandlung werden, der den gleichen Stellenwert wie auch die Thematik rund um den Neuanfang in einem neuen Land, die Kriminalität von Kinderbanden und das Zeitungswesen einnehmen. Die Protagonisten sind allesamt sehr realistische Charaktere, die allesamt nahbar, verletzlich, aber auch stark und selbstbewusst sind. 

Als großer Fan von historischen Romanen, wusste ich schon beim ersten Entdecken dieser neuen Buchreihe, dass ich sie gerne lesen würde. Da ich auch schon Bücher von Sonja Roos gelesen habe und immer begeistert war, ging ich mir relativ hohen Erwartungen an das Buch heran, wurde aber nicht enttäuscht, sondern war schnell gefesselt und hätte am liebsten gar nicht mehr aufgehört zu lesen. Nun freue ich mich schon sehr auf den zweiten Band und hoffe, dass er ebenso spannend und fesselnd ist, wie der erste Teil.

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Goldmann
Seitenzahl: 416
Ersterscheinung: 17.04.2024
ISBN: 9783442494132 
Preis: 16,00
Reihe: Eine grenzenlose Welt, Band 1

Vielen Dank an das Bloggeportal, den Goldmann-Verlag und Sonja Roos für das Rezensionsexemplar!

Mittwoch, 23. Oktober 2024

Rezension: Nikolas Kuhl & Stefan Sandrock - Das Dickicht

 

Ein Kriminalfall, der nach zwanzig Jahren plötzlich wieder in den Fokus der Ermittler rückt

Vor knapp zwanzig Jahren war Juha, mittlerweile Kriminaloberkommissar beim LKA Hamburg, gemeinsam mit seinem erfahrenen Kollegen Werner Swoboda bei einer Geiselnahme. Gemeinsam haben sie den vierzehnjährigen Jungen entdeckt und aus seinem Verließ gezogen, doch er war bereits tot. Juha hat diesen Moment nie vergessen und für seinen Kollegen war danach nichts mehr wie vorher, denn der Fall ließ ihm einfach keine Ruhe. Nun, beinahe zwanzig Jahre später, werden die Ermittler vom LKA zu einem Entführungsfall gerufen, der nach dem gleichen Schema verläuft. Doch schnell wird klar, dass diese Geiselnahme gut ausgehen wird. In Juha erwachen aber wieder sämtliche Erinnerungen an den alten Fall und er fragt sich wieder einmal, ob sie damals den richtigen Mann als Entführer ausgemacht haben. Gemeinsam mit seinem jungen Partner Lux begibt er sich auf die Spurensuche und rollt den Fall nochmals auf...

Das Autorenduo Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock nehmen ihre Leser mit auf eine Ermittlung, die so manche Wendung nimmt und bis zum Ende nicht vorhersehbar ist. Gerade der Anfang ist sehr spannend und fesselnd, denn der neue Fall ist sehr präsent und mutet sehr wie eine echte Entführung an, weshalb Juha sich bald die Frage stellt, ob der wahre Entführer von damals nicht doch noch lebt und nun wieder aktiv ist. So gelingt auch eine perfekte Überleitung zum alten Fall, der in Juha, und nun auch Lux, immer wieder Zweifel an den früheren Ermittlungsergebnissen aufkommen lässt. Mit viel Bauchgefühl und Recherche kommen sie den wahren Beweggründen auf die Spur und tauchen erneut in die Ermittlungen ein.

Gerade das Cover und der Klappentext versprechen einen sehr spannenden und fesselnden Krimi. Ich allerdings empfand ihn eher als interessant, war aber leider nie so sehr gefesselt, dass ich gar nicht mehr aufhören konnte zu lesen. Juha und Lux mag ich sehr und würde mich freuen, wenn sie noch weitere Cold Cases oder auch aktuelle Kriminalfälle gemeinsam lösen würden.

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: ROWOHLT Taschenbuch
Seitenzahl: 336
Ersterscheinung: 13.08.2024
ISBN: 9783499014284 
Preis: 14,00

Vielen Dank an den Rowohlt-Verlag, Nikolas Kuhl und Stefan Sandrock für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 25. August 2024

Rezension: Claudia Romes - Die Fabrik der süßen Dinge - Helenes Hoffnung

 

Helene kämpft für ihre Träume!

Köln, 1927: Helene von Ratschek liebt die Süßwarenmanufaktur ihrer Familie. Schon seit sie denken kann, verbringt sie viel Zeit in der Firma und kennt alle Angestellten. Mit der Vorarbeiterin Frieda verbindet sie sogar eine Freundschaft, denn diese versteht ihre Leidenschaft für die Süßigkeiten und die Manufaktur. Doch Helene spürt mit der Zeit immer mehr, dass ihr Vater sie nicht ernst nimmt. Als dieser bei der Feier zu seinem fünfundsechzigsten Geburtstag verkündet, dass er seinen beiden Sohnen Alfred und Henri den Familienbetrieb übergeben wird und gleichzeitig, dass seine Tochter Helene den Zuckerfabrikanten Armin Langen heiraten wird, weiß Helene, dass sie niemals Anerkennung für ihre Ideen erhalten wird. Kurzentschlossen flieht sie nach Hamburg und nimmt eine Ausbildungsstelle zur Bonbonmacherin an. Endlich spürt sie Anerkennung für ihre Süßigkeitenkreationen und auch der Juniorchef Frederik geht ihr nicht mehr aus dem Kopf...

Claudia Romes hat in diesem ersten Band der "Süßwaren-Saga" die schwierige Situation der jungen Frau Helene von Ratschek, die in einer eher rückwärtsgewandten Familie aufwächst, sehr berührend und fesselnd erzählt. Um endlich ihre Träume zu erfüllen und auch als Frau anerkannt zu werden, muss sie ihre Heimatstadt verlassen und in Hamburg neuanfangen. Helene ist eine sehr sympathische junge Frau, die eine große innere Stärke und viel Mut besitzt.

Als großer Fan von Süßigkeiten, wenn auch nicht Lakritze, und historischen Romanen, war dieser Reihenauftakt perfekt für mich. Ich mochte den Schreibstil der Autorin sehr gerne und habe das Buch innerhalb von zwei Tagen gelesen, denn trotz einiger Verpflichtungen, habe ich immer wieder darin weitergelesen und mal wieder nachts nicht genug geschlafen, nur um zu erfahren, wie es mit Helene weitergeht. Für mich ein sehr gelungener Reihenauftakt mit einem Ende, das neugierig macht, wie sich die Situation um Helenes Leben weiterentwickelt.

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Aufbau TB
Seitenzahl: 352
Ersterscheinung: 18.07.2023
ISBN: 9783746639437 
Preis: 12,99
Reihe: Die Süßwaren-Saga, Band 1

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag und Claudia Romes für das Rezensionsexemplar!

Samstag, 18. Mai 2024

Rezension: Michaela Grünig - Blankenese - Zwei Familien: Schwere Entscheidungen

 
Eine Familie während dem Nationalsozialismus

Hamburg, 1939: Fanni liebt ihre Arbeit als Kinderkrankenschwester, doch das Leid das sie dort oft sieht, ist manchmal schlimm anzusehen und nicht jeder Arzt behandelt die Kinder so gut wie Otto, den sie schon ihr ganzes Leben lang kennt. Nicht viele wissen für ihre Verliebtheit in den neun Jahre älteren Arzt, denn Fanni befürchtet, dass er diese Liebe nie erwidern wird. Dennoch geht sie mit ihm, als er sie bittet, mit ihm in seiner neueröffneten Kinderarztpraxis zu assistieren. Sonja Casparius ist die Tochter des Reedereibesitzers John Casparius, der seine Firma mit viel Herzblut aufgebaut hat. Leider musste er vor den Nazis untertauchen, weshalb nun Sonjas Mutter und sie selbst die Reederei weiterführen. Da Sonja aber eine Vierteljüdin ist, will ein hochrangiger Nazi ihnen den Betrieb wegnehmen und arisieren. Mit allen Mitteln wehren sie sich, aber schnell merken sie, dass ihre Aussichten nicht allzu gut sind. Darum müssen Sonja und ihre Mutter Kompromisse eingehen, die ihr gesamtes weiteres Leben beeinflussen werden. Kurt Jacobson ist Jude und musste als Jugendlicher aus Deutschland fliehen. Seine Evakuierung gelang mit einem der Kindertransporte nach England, wo er zuerst in einem Heim, später dann bei einem Adeligen in London lebt. Doch nach einer der schweren Bombardierungen Londons stirbt der Lord und Kurt flieht aus der Stadt, wo er eine Gefangennahme als Deutscher fürchten muss. Während seines Fußmarsches in Richtung Kent gelingt es ihm, an einen britischen Pass und somit eine neue Identität zu bekommen. Somit muss er eine Festnahme nicht mehr fürchten und wird schließlich sogar Pilot bei der Royal Air Force. 

Michaela Grünig erzählt in diesem zweiten Band der Reihe über einen sehr bewegenden Teil der deutschen Geschichte. Dank der Erzählweise in drei Handlungssträngen, die sich zwar überschneiden und ergänzen, aber erst ganz am Ende zusammenkommen, ist die Handlung sehr vielschichtig und somit noch fesselnder und interessanter. Die Autorin erzählt alles sehr emotional und authentisch, sodass sofort spürbar ist, wie viel sie über diese geschichtlichen Ereignisse recherchiert hat. Obwohl dieser Roman der Teil einer Reihe ist, ist er in sich abgeschlossen und kann durchaus auch alleine gelesen werden, denn am Ende bleiben keine offenen Fragen. 

Bereits der erste Teil der Reihe hat mich sehr gefesselt, sodass ich schon nach dem Abschließen des Buches den zweiten Band auf meine Wunschliste gesetzt habe. Da die Autorin eine so packende und fesselnde Erzählweise hat, habe ich den über fünfhundert Seiten umfassenden Roman innerhalb von nur zwei Tagen gelesen. Deshalb gehört der Roman zu einem meiner Highlights in diesem Jahr und ich werde ab jetzt sehnsüchtig auf den dritten Band warten, der aber leider erst im Februar 2025 erscheinen wird.

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Lübbe
Seitenzahl: 528
Ersterscheinung: 28.03.2024
ISBN: 9783785728611
Preis: 17,00
Reihe: Die Zeitenwende-Reihe, Band 2

Vielen Dank an Michaela Grünig für das Rezensionsexemplar und die Teilnahme an ihrer Leserunde bei Lovelybooks.

Mittwoch, 17. April 2024

Rezension: Claudia Schaumann - Die Geburtstagsbande - Teil 1: Auf die Plätze, fertig, feiern!

 

Geburtstag kann man immer feiern!

Die drei Freunde Lu, Rio und Pelle sitzen nach Lus Geburtstagsfeier noch ein bisschen zusammen und unterhalten sind. Alle sind sie traurig, dass Geburtstag nur einmal im Jahr ist, denn eigentlich könnte man doch jeden Tag feiern und dabei viel Spaß haben. Doch Lu hat schließlich die zündende Idee, sie gründen die Geburtstagsbande und suchen sich einfach jeden Tag einen anderen Geburtstag, den sie besuchen. Allerdings ist die erste Party bei Johanna in der Stadt, das heißt Lus Opa muss sie fahren, außerdem ist Johanna eine Zimtzicke, finden die drei Freunde. Die Party selbst verläuft dann nicht ganz nach Plan, denn Lu verwechselt ihr Geschenk mit einer Tüte fauliger Erdbeeren, eine Scheibe und eine Vase gehen zu Bruch und Pelles Huhn Chickaletta benimmt sich auch daneben. Trotzdem lassen sich die Freunde nicht von ihrem Plan abbringen und wollen es am nächsten Tag bei Paul einfach noch einmal probieren...

Claudia Schaumann erzählt so lebendig und lustig über die drei Freunde und ihren Plan, dass die Zeit nur so dahinfliegt. Natürlich liegt das auch mit an der tollen Stimme von Cathlen Gawlich, denn sie hat eine wunderbare Stimme, liest nicht zu schnell oder zu langsam und verleiht den verschiedenen Charakteren perfekt passende Stimmen, sodass es nie zu Verwechslungen oder anderen Problemen beim Hören kommt.

Meine siebenjährige Tochter und ich wollten das Hörbuch eigentlich auf mehrere Nachmittage aufteilen, dazu ist es allerdings nicht gekommen, denn wir haben die knapp drei Stunden an einem Stück durchgehört - und uns ist nicht einmal aufgefallen, wie schnell die Zeit vergangen ist. Wir sind total begeistert und werden baldmöglichst auch noch den zweiten Teil hören!

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Der Audio Verlag
Ersterscheinung: 16.02.2023
ISBN: 9783742427229
Gesamtspieldauer: ca. 192 Minuten 
Empfohlenes Alter: ab 8 Jahren 
Preis: 15,00
Reihe: Die Geburtstagsbande, Band 1

Vielen Dank an den Audio-Verlag, Claudia Schaumann und Cathlen Gawlich für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 9. April 2024

Rezension: Jana Voosen - Im nächsten Jahr zur selben Zeit

 

Eine verbotene Liebe

Hamburg während dem zweiten Weltkrieg: Genau ein Jahr war Anni nun in Köln gewesen, denn ihr Vater hat darauf bestanden, dass sie dort die BDM-Haushaltungsschule besucht. Jeden Tag hat sie abgehakt und sich darauf gefreut, endlich wieder nach Hamburg zurückzukehren und in der Süßwarenfabrik des Vaters mitzuarbeiten. Doch nicht nur der Vater hält sich nicht an sein Versprechen und lässt sie lediglich als ungelernte Hilfe seiner Sekretärin arbeiten, sondern auch die politischen Umstände haben sich verschärft und die Arbeiter der Fabrik bestehen zu mehr als der Hälfte aus polnischen Arbeitern. Als sie zudem auch noch den Anwalt ihres Vaters, Julius Wenzel, heiraten soll, hält sie es nicht mehr aus. Sie fühlt sich übergangen und als Frau herabgewürdigt, denn schließlich war sie es, die seit ihrer Kindheit großes Interesse an der Fabrik gezeigt hat, nicht nur ihr Bruder. Dennoch fügt sie sich größtenteils, einzig der Heirat stimmt sie nicht zu. Als sie aber Pawel, einen polnischen Arbeiter, kennenlernt, spürt sie, dass sie mehr mit ihm verbindet. Doch die Umstände verhindern eine Beziehung und Anni gerät immer weiter in Bedrängnis...

Jana Voosen versteht es, Geschichte so fesselnd zu erzählen, dass der Leser das Gefühl hat, er wäre selbst Teil davon. Natürlich ist hinreichend bekannt, wie die Nazis alle Ausländer behandelt haben, wie sie ihr Volk durch Propaganda und falsche Tatsachen getäuscht und an der Nase herumgeführt haben, dennoch ist es anders, die Begebenheiten an Annis Seite mitzuerleben. Dank der Liebe zu einem polnischen Fremdarbeiter, der wie Vieh behandelt wird und dem die bösesten Dinge unterstellt werden, erfährt Anni die Realität auf eine neue Art und Weise und sie widersetzt sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Somit sollte auch kein Urteil über ihre Fügsamkeit und den Gehorsam ihren Eltern gegenüber gefällt werden, denn niemand weiß, wie man selbst in dieser Zeit voller Angst und Ungewissheit gehandelt hätte.

Dieser Roman hat mich so gefesselt, dass ich ihn tatsächlich an einem regnerischen Tag komplett durchgelesen habe. Ich war tief berührt von Annis und Pawels Schicksal, denn sie zeigen, wie schrecklich und grausam sich die Nazis verhalten haben. Obwohl ich schon viele Romane über dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte gelesen habe, hat mich dieser wieder gepackt und mir von Neuem gezeigt, wie wichtig es ist, eine Wiederholung der Geschichte vehement zu vermeiden und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten und darüber hinaus dafür einzusetzen, dass so etwas nie wieder geschehen kann!

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Heyne
Seitenzahl: 448
Ersterscheinung: 13.09.2023
ISBN: 9783453425262 
Preis: 13,00

Vielen Dank an das Bloggerportal, den Heyne-Verlag und Jana Voosen für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 1. März 2024

Rezension: Henrike Engel - Die Hafenärztin. Ein Leben für die Hoffnung der Menschen

 

Eine spannende Reihe findet nun ihren perfekten Abschluss!

Hamburg, 1911: Die Ärztin Anne van der Zwaan findet unverhofft eine Tote, die im Stehen an ihrer eigenen Wohnungstür verstorben ist. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass sie zwar seit langer Zeit große Mengen an Alkohol getrunken hat, aber ihr Todesurteil war das Heroin, das sie durch die Nase konsumiert hat. Diese Art der Berauschung ist neu in der Hafenstadt, denn bisher wird das Medikament Heroin in Tablettenform eingenommen und wirkt sehr gut gegen Husten und andere Erkrankungen dieser Art, nicht aber als Droge. Dem Pathologen sind auch noch weitere Frauen bekannt, die so unverschuldet in den Tod gefunden haben, drei von ihnen hatten auch das gleiche Papierbriefchen in der Tasche wie das letzte Opfer. Anne weiß, dass sie dem weiter auf die Spur gehen möchte. Allerdings lastet auch die nahende Gerichtsverhandlung auf ihr, wo sie als Kronzeugin gehen ihren Vater Roger van der Zwaan aussagen muss. Dieser scheint aber immer noch sehr siegessicher, was Anne einerseits traurig macht, ihr aber auch zeigt, wie niederträchtig und geldbesessen ist Vater eigentlich ist. Unterstützung in ihren Ermittlungen rund um die Heroinbriefchen findet sie auch wieder in Kommissar Berthold Rheydt, der den Kriminellen und ihren Handlangern endlich den Garaus machen möchte. Aber auch Helene Curtius, die Verlobte von Kommissar Rheydt und gute Freundin von Anne, möchte den Menschen helfen. Auf einer Reise nach Berlin hat sich ihre Überzeugung verfestigt, dass eine kranke Seele geheilt werden kann, wenn man ihr richtig hilft.

Henrike Engel hat diesen letzten Band der Reihe rund um die Hafenärztin etwas anders gestaltet. Denn hier steht kein Mordfall im Mittelpunkt, bei dessen Ermittlungen Anne, Helene oder andere Personen in Gefahr geraten, sondern die Heroinverteilung und die Anwendung dieses vermeintlich harmlosen Medikaments. Dennoch ist die Handlung durchgehend spannend, hat keine Längen und verliert sich auch nicht in unwesentlichen Details. In diesem Teil der Reihe werden so einige Ereignisse aus den vorangegangenen Bänden aufgearbeitet, was zeigt, wie eng alles zusammenhängt. Somit eignen sich die Bücher auch nicht unbedingt dazu, einzeln gelesen zu werden.

Ich habe jeden der vier Bände voller Begeisterung gelesen. Anne ist eine unheimlich starke und mutige Frau, die sich weder von bösen Machenschaften, Gefahren oder gesellschaftlichen Konventionen aufhalten lässt. Sie weiß, was richtig ist und verfolgt ihre Ziele. Immer an ihrer Seite hat sie dabei die Polizisten rund um Kommissar Rheydt und ihre Freundin Helene Curtius. Auch sie sind mir ans Herz gewachsen und ich bin nun etwas traurig, dass es keine weiteren Teile der Hafenärztin mehr geben soll... Eine wirklich starke Reihe, die ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann!

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Ullstein Paperback
Seitenzahl: 432
Ersterscheinung: 30.11.2023
ISBN: 9783864932144 
Preis: 15,99
Reihe: Die Hafenärztin, Band 4

Vielen Dank an den Ullstein-Verlag und Henrike Engel für das Rezensionsexemplar!

Donnerstag, 13. Juli 2023

Rezension: Lena Johannson - Zwischen den Meeren

 

Die Anfänge eines Jahrhundertbauwerks

Norddeutschland, 1886: Seit einiger Zeit ist ein Kanal im Gespräch, der die Ost- mit der Nordsee verbinden soll, um Güter schneller und ungefährlicher transportieren zu können. Vier Frauen berühren diese Pläne besonders, denn jede von ihnen hat ihren ganz eigenen Hintergrund. So ist Justine aus Kiel ist Tochter eines Eisenwarenhändlers, der sich den Aufschwung durch die jahrelange Baustelle erhofft. Doch bis zum Spatenstich dauert es noch und die Familie hofft und bangt, dass ihre Investitionen sich auszahlen werden. Sanne aus Brunsbüttel entstammt der Familie eines Zimmermannes, dessen Vorfahren sich als Schleusenbauer hervorgetan haben. Sie würde sich wünschen, dass ihr Vater sich auf die Stelle des Schleusenplaners bewirbt, um endlich finanziell gut dazustehen. Außerdem ist sie selbst sehr interessiert an den Berechnungen und Planungen, wird aber von der Gesellschaft nicht ernst genommen. Regina aus Rendsburg heiratet ihrem Vater zuliebe einen wohlhabenden, aber deutlich älteren Mann, der sich nur wie eine Trophäe behandelt, um ihm aus den finanziellen Schwierigkeiten zu helfen. Sie ist sehr unglücklich in dieser Ehe und lässt sich schnell auf eine Affäre ein. Zuletzt ist da noch Mimi Dahlström, die Tochter des "Vaters" des Nord-Ostsee-Kanals, die alles für ihren Vater tut, denn seit vielen Jahren widmet er sich ausschließlich diesem Projekt und hat mittlerweile das ganze Geld dort hinein investiert.

Lena Johannson erzählt in diesem Auftaktband ihrer Reihe rund um die Entstehung des Nord-Ostsee-Kanals die Schicksale von vier sehr verschiedenen jungen Frauen. Sie sind allesamt sehr intelligent und interessieren sich für das Zeitgeschehen - oft mehr, als es sich für junge Damen der damaligen Zeit schickt. So erlebt der Leser hautnah mit, wie Frauen behandelt wurden. Da sich die vier Frauen nie begegnen, wechselt die Erzählperspektive in unregelmäßigen Abständen zwischen ihnen hin und her.

Dieser Roman konnte mich schnell fesseln, denn ich mag es, wie die Autorin das Zeitgeschehen anhand der vier Frauenschicksale schildert. Allerdings fand ich es teilweise etwas schwierig, die Frauen nur anhand der Namen zuzuordnen, da sie oft längere Pausen hatten und für viele Kapitel nicht erwähnt wurden. Da war das Personenregister zu Beginn des Buches wirklich nützlich. Nun bin ich gespannt, wie die Reihe weitergeht, denn bisher wurde lediglich der Grundstein gelegt, aber von einer Vollendung des Jahrhundertprojekts sind wir noch weit entfernt.

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: Aufbau TB
Seitenzahl: 409
Ersterscheinung: 11.10.2022
ISBN: 9783746639451 
Preis: 14,00
Reihe: Nord-Ostsee-Saga, Band 1

Vielen Dank an den Aufbau-Verlag und Lena Johannson für das Rezensionsexemplar!

Sonntag, 14. Mai 2023

Rezension: Thorsten Pilz - Weite Sicht

 

Vier Frauen und die Bedeutung von Freundschaft

Vier Frauen in komplett unterschiedlichen Lebenssituationen und dennoch helfen sie sich gegenseitig durch ihr Verständnis und Beistand in jeder noch so unmöglichen Situation. Charlotte steht nach dem Tod ihres Mannes Friedrich etwas verloren da und fragt sich, wie es in ihrem Leben weitergehen soll und findet erst durch ihre frühere Freundin Bente wieder neuen Sinn. Gesine dagegen sieht ihr Leben wegbröckeln und kann sich niemandem anvertrauen. Sabine ist seit zwanzig Jahren Witwe und muss nun die Wohnung verlassen, in der sie mit ihrem geliebten Jan gelebt hat. Doch egal wie aussichtslos die Situationen, die vier Frauen unterstützen sich und finden mit der Zeit wieder zu ihrer Stärke zurück.

Thorsten Pilz erzählt sehr einfühlsam und ruhig das Schicksal der vier Frauen. Das Alter der vier Frauen wurde mit rund siebzig Jahren eher außergewöhnlich gewählt und passt gut zum eher ungewöhnlichen Thema des Buches.

Anfangs fand ich das Buch wirklich richtig gut und dachte, dass ich es am liebsten an einem Stück durchlesen möchte. Allerdings sank die Spannung gegen Ende immer weiter, da bald keine Überraschungen mehr kamen und sämtliche Geheimnisse bereits gelüftet waren. Auch die Gedanken der Protagonistinnen wurden mir manchmal etwas zu verwirrend, obwohl sie anfangs immer klar verständlich waren. So hätte ich mir die gesamte Handlung hindurch noch etwas mehr Biss gewünscht, ansonsten trotzdem ein toller Roman mit vielen Qualitäten.

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Bewertung: 4 von 5 Sterne

Verlag: Lübbe
Seitenzahl: 288
Ersterscheinung: 31.03.2023
ISBN: 9783785728376
Preis: 22,00

Vielen Dank an die Bloggerjury, den Lübbe-Verlag und Thorsten Pilz für das Rezensionsexemplar!

Dienstag, 28. März 2023

Rezension: Michaela Grünig - Blankenese - Zwei Familien

 

Aufstieg und Niedergang einer Familie

Hamburg, 1919: John Casparius ist von seinem Leben enttäuscht, denn der Krieg hat Spuren auf seiner Seele hinterlassen und nur die Briefe seiner Verlobten Luisa haben ihn weiterkämpfen lassen. Doch nun, da die Reederei der Familie Casparius durch die Sanktionen der Siegermächte stark angeschlagen ist, lässt sie ihn fallen. John betrinkt sich und wandert im Morgengrauen den Elbstrand entlang. Als er aber eine junge Frau sieht, die sich ihrer Kleidung entledigt und in die Fluten stürzt, fürchtet er das Schlimmste und will sie retten - doch Leni Hansen will nur schwimmen und ist ehrlich entrüstet über den Spanner. Für beide ist das Erlebnis unvergessen und John begibt sich Tags darauf auf die Suche nach der schlagfertigen jungen Dame...

Michaela Grünig nimmt ihre Leser in diesem Reihenauftakt mit auf eine fesselnde Zeitreise von 1919 bis 1939. Die beiden Familien Casparius und Hansen waren schon vor der denkwürdigen Begegnung am Strand eng durch ein schreckliches Ereignis miteinander verbunden, was aber die beiden jungen Erwachsenen nicht wissen. Die Autorin hat die Geschichte der Stadt Hamburg und sämtliches Zeitgeschehen sehr gründlich recherchiert und perfekt in die Handlung integriert. 

Dieser Roman gehört für mich zu meinen Jahreshighlights, denn selten habe ich ein so dickes Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Ich bin begeistert von der Kombination aus Familiengeschichte und Historie. Sämtliche Ereignisse werden so mitreißend geschildert, dass es sich anfühlt, als wäre man selbst Teil des Geschehens. Ein rundum perfekter Reihenauftakt mit wirklich fiesem Cliffhanger!

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Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Lübbe
Seitenzahl: 496
Ersterscheinung: 27.01.2023
ISBN: 9783785728178
Preis: 16,00
Reihe: Blankenese, Band 1

Vielen Dank an die Bloggerjury, den Lübbe-Verlag und Michaela Grünig für das Rezensionsexemplar!