Wenn die Geschichte bis ins Heute reicht...
Der pensionierte Verfassungsrichter aus Karlsruhe Rudolf Heppner hat in den letzten beiden Jahren viele kontroverse Diskussionen über politische Grundsatzthemen ins Leben gerufen. Denn auf seiner Homepage und in den sozialen Medien ist er ständig präsent und zieht die Aufmerksamkeit des rechten, aber auch des linken Lagers auf sich. Als er als Gast in einer Talkshow eingeladen ist, wird ein Attentat auf ihn verübt. Der verkleidete Mann hat sich unter falschen Tatsachen in das Firmengebäude geschlichen und dann mit einer Waffe auf den ehemaligen Richter gezielt. Dass dieser überlebt hat, war wohl genauso geplant, doch warum hat dieser Anschlag überhaupt stattgefunden? Die Ermittler Harry Glaser und Filippa Andrescu stehen vor einem Rätsel. Denn was ist das Motiv, soll es weitere Anschläge geben und wer war überhaupt der Täter oder die Täterin? Um Rudolf Heppner besser verstehen zu können, wird ihnen eine Kriminalpsychologin zur Seite gestellt, die hinter die Fassade des alten Mannes blicken soll. Aber auch sie kämpft gegen eine innere Schuld gegenüber ihrem jüngeren Bruder, sodass sie lange nicht weiß, ob sie diesen Fall tatsächlich übernehmen und ausführen kann.
Arne Jensen hat in diesem Roman das Thema der Schuld in den Mittelpunkt gestellt. Auf mehreren Zeitebenen dreht sich alles um unterschiedliche Personen und deren Anteil am Zeitgeschehen. So wurde der ehemalige Richter Rudolf Heppner zwar im Heute zum Opfer eines Attentats, hat er aber doch in seiner Vergangenheit durchaus Schuld auf sich geladen, die ihn vielleicht noch bis in die Gegenwart beeinflusst. Neben dem Jahr 2023, in dem die Ermittlungen und der Anschlag stattfinden, gibt es auch noch die Jahre 1944/45, wo ein Halbjude als Marinesoldat in den Niederlanden dient und die Jahre 1969/70, als Rudolf Heppner als 17-jähriger eigene Wege geht und die Vergangenheit des Vaters ihn einholt. Auch der Krieg in Syrien 2001 findet Erwähnung und spielt eine Rolle im Geschehen. Diese vielen Zeitebenen verbinden sich im Verlauf des Romans zu einem Ganzen und sorgen für eine tiefgründige Handlung.
Ich war sehr gespannt auf das Buch und hatte eigentlich keinerlei Erwartungen, denn das Thema der Schuld ist ja ein sehr großes und breites. Allerdings hat der Roman beinahe zwei Drittel gebraucht, um mich endlich zu fesseln und dazu zu bringen, weiterlesen zu wollen. Denn gerade anfangs habe ich mich häufig gefragt, wozu es die beiden Zeitebenen (Gegenwart und 1944) braucht. Das kenne ich aber auch von anderen Romanen und war gespannt, wann die Fäden wohl zusammenlaufen. Leider konnten mich aber zu diesem Zeitpunkt auch die Gegenwart mit den polizeilichen Ermittlungen und der Geschichte rund um Rudolf Heppner nicht packen, denn irgendwie war mir immer zu wenig los und alles hat sich in die Länge gezogen. Die vier Sterne bekommt das Buch letztendlich nur, weil es im letzten Drittel tatsächlich noch spannender wurde und ich den Roman dann auch beenden wollte.
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Bewertung: 4 von 5 Sterne
Verlag: HeyneSeitenzahl: 480
Ersterscheinung: 14.01.2026
ISBN: 9783453429574
Preis: 17,00
Vielen Dank an das Bloggerportal, den Heyne-Verlag und Arne Jensen für das Rezensionsexemplar!

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