Freitag, 21. August 2026

Rezension: Beate Sauer - Das Haus in Charlottenburg

Elise und der Weg in ihr eigenständiges Leben 

Berlin, 1893: Elise lebt mit ihrer Mutter, ihrer kleinen Schwester Marie und ihrem Bruder Willi auf beengten Verhältnissen in einer Wohnung in Wedding. Da der Vater schon lange verstorben ist, ist die Familie auf jeden Pfennig angewiesen, den sie verdienen können. Doch Elises Chefin ist bösartig und kann Elise nicht leiden, was diese ständig zu spüren bekommt. Als sie ihr auch noch einen freien Sonntag verweigert, obwohl dieser laut Gesetz eigentlich jedem Angestellten zusteht, hat sie die Nase voll. Schließlich zählt die Gesundheit ihrer achtjährigen Schwester mehr, als eine unterbezahlte Arbeitsstelle. Natürlich bereut Elise ihre übereilte Entscheidung schnell, kann aber nichts mehr daran ändern. Mit diesem ersten Aufbäumen spürt sie, dass sie mehr von ihrem Leben will und mehr dafür eintreten muss. Aber wird ihr das immer gelingen? Mit dem liebenswerten Architekten Johann fühlt es sich auf jeden Fall leichter an und Elise erfährt von ihm, was genossenschaftliches Bauen bedeutet und wieviel dadurch für die Arbeiterschicht besser werden könnte. Doch kann Johann seinen Traum vom guten Wohnen für alle Wirklichkeit werden?

Beate Sauer hat einen fesselnden Erzählstil, der ihre Leser*innen schnell mitten hinein ins Berlin der Kaiserzeit nimmt. Da die Autorin sehr detailreich und atmospärisch das Leben zu dieser Zeit beschreibt, fühlt es sich schnell so an, als existieren Elise, Johann und all die anderen wirklich. Durch die unterschiedlichen Perspektiven, aus denen die Autorin die Handlung schildert, erhalten die Leser*innen deutlich tiefere Einblicke in die Gedanken, Pläne und Erinnerungen der Charaktere. 

Schon bei der ersten Seite des Buches wusste ich, dass ich ein Lesehighlight in den Händen halte. Denn die Handlung während dem gesamten Roman ist mitreißend, die Charaktere nahbar und sympathisch und die Geschehnisse mitreißend. So hat es mich sehr fasziniert, dass hier eine offenbar stark unterschätzte Frau, die Böse ist und über die Leben von vielen Menschen regiert, als handele es sich um ein Theaterstück. Ebenso in ihren Bann gezogen haben mich aber Elise, Johann und dessen Freund Louis, die mit ihrem gesamten Tun einem Ziel zustreben und bereit sind, große Opfer zu bringen. Ein rundum perfekt gelungener, fesselnder Roman! 

Hier geht es zur Verlagsseite mit Leseprobe.

 

Bewertung: 5 von 5 Sterne

Verlag: Heyne
Seitenzahl: 464
Ersterscheinung: 14.01.2026
ISBN: 9783453442245
Preis: 17,00 

Vielen Dank an das Bloggerportal, den Heyne-Verlag und Beate Sauer für das Rezensionsexemplar! 

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